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Perspective

Ein Blick auf die Fortschritte in der Krebsdiagnostik und deren Auswirkungen auf Critical Illness-Absicherungen

February 03, 2016| Von Karin Brendel | Critical Illness | Deutsch | English

Die Fortschritte in der Krebsdiagnostik erfahren erneut Aufmerksamkeit in den Medien. Thema der Schlagzeilen ist aktuell die Verfügbarkeit „einfacher neuer Bluttests“ zur Diagnose von Krebserkrankungen.

Diese neuen Techniken könnten enorme Auswirkungen auf Versicherungsprodukte, insbesondere zur Absicherung gegen eine schwere Erkrankung (Critical Illness) haben, denn hier spielt der Schutz vor Krebsrisiken eine sehr bedeutende Rolle.

Die bekanntesten neuen Techniken beruhen auf Blutproben, häufig in Kombination mit DNA-Sequenzierungsmodellen. Man spricht hier von „flüssiger Biopsie“ („Liquid Biopsy“). Eine weitere Methode, die es ins Rampenlicht geschafft hat, sind verfeinerte bildgebende Verfahren wie neuartige MRT-Untersuchungen, die eine Differenzierung zwischen gesunden Zellen und Krebszellen ermöglichen.

Zurzeit wird Krebs anhand histopathologischer Nachweise aus Gewebeproben diagnostiziert, die mithilfe von Biopsien entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden. Diese Methode ist für die Diagnose beinahe aller Krebsarten zentral, es sei denn, die Gewebeentnahme wäre zu riskant (etwa im Gehirn). Die histopathologischen Ergebnisse bilden zusammen mit der körperlichen Untersuchung und der Bildgebung die Grundlage zur Bestimmung des jeweiligen Krebsstadiums. Dieses gibt die Ausdehnung des Primär-Tumors an sowie Auskunft über einen etwaigen Lymphknotenbefall und das Fehlen oder Vorhandensein von Fern-Metastasen.

Doch was, wenn die etablierten Verfahren ersetzt würden durch diese neuen Biomarker, die unter Umständen mehr und womöglich detailliertere Informationen über die Krebserkrankung liefern?

Wir sollten uns vor Augen führen, dass keiner der neuen Tests eigens für die Krebsdiagnostik entwickelt wurde, sondern erst nach einer konventionellen Diagnosestellung zur Anwendung kommt. Die neue Technologie soll vielmehr die Therapieergebnisse bei Krebspatienten verbessern, und das wird auch in nächster Zukunft weiter im Fokus stehen.

Trotz des Medieninteresses für die Einsatzmöglichkeiten der neuen Tests in der Diagnose und der Aufmerksamkeit, die Unternehmen, die neue, blutbasierte Krebstests anbieten, genießen, bleibt der Wert der neuen Methoden für die Diagnose unklar. Insbesondere ist die Eignung von Biomarkern, wie der “flüssigen Biopsie“, für die Früherkennung noch nicht getestet, da ihre Sensitivität und Spezifität noch kaum untersucht sind und somit unklar ist, in welchem Umfang mit falsch-positiven bzw. falsch-negativen Ergebnissen zu rechnen ist. Andere Nachweisverfahren als die flüssige Biopsie sind noch weniger ausgereift.

Doch während diese neuen Technologien weiterentwickelt werden, ist es sicherlich sinnvoll, sich mit der Formulierung von Leistungsauslösern in der Critical Illness-Versicherung zu befassen.

Hier kann man zunächst hypothetisch davon ausgehen, dass neue Tests in Zukunft eventuell ganz andere Informationen im Schadenfall bei Krebserkrankungen liefern könnten. Wie würde sich das auf die Schadenbearbeitung im Zusammenspiel mit derzeitigen Leistungsauslösern auswirken? Lässt sich die Forderung nach histopathologischen Beweisen aufrechterhalten, falls die flüssige Biopsie tatsächlich zum Goldstandard der Krebsdiagnose werden und die gewünschte Treffsicherheit aufweisen sollte?

Andererseits könnten weitere Entwicklungen messbare Grenzwerte mit sich bringen und so der Versicherungsindustrie bei der Formulierung von Schweregraden helfen. Damit würde eine Beschränkung auf einen bestimmten Schweregrad bzw. wirklich kritische Erkrankungen ermöglicht. Krebserkrankungen sind die Ursache Nummer eins für CI-Versicherungsansprüche, und ihre Diagnose hat den größten Einfluss auf die Schadenerfahrungen der Versicherer.

Deshalb ist es wichtig, die Krebsdefinition regelmäßig zu überprüfen, um eine größtmögliche Zukunftssicherheit zu erreichen und dabei objektiven, messbaren Kriterien für den Schweregrad zu genügen.

Wir müssen sicherstellen, dass die CI-Deckung weiterhin als substanzielle Unterstützung nach der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung Bestand hat. Sollten hingegen häufige, leichte oder sogar asymptomatische Erkrankungen ohne echten Absicherungsbedarf, die aber erhebliche Leistungszahlungen verursachen, versichert werden, könnten CI-Produkte in Zukunft unerschwinglich werden.

Weitere Informationen über die möglichen Auswirkungen der Fortschritte in der Krebsdiagnostik auf die Versicherungsindustrie finden Sie in meinem neuesten Artikel in Risk Insights.

 

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