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Perspective

Automatischer Unfallmeldedienst in Deutschland erweitert das Kfz-Versicherungsprodukt

April 06, 2016| Von Achim Bosch | Auto/Motor | Deutsch | English

Region: Europe

Immer mehr Geräte sind in der Lage, miteinander zu kommunizieren und Daten auszutauschen. Dadurch gewinnt das Internet der Dinge (engl. Internet of Things, IoT) zunehmend an Bedeutung. Der Fokus der Versicherungswirtschaft richtet sich in diesem Zusammenhang bislang weitgehend auf die technischen Entwicklungen, die ein mehr oder weniger autonomes Fahren ermöglichen können, sowie auf die entsprechenden Folgen für die Kfz-Versicherung. Das Produkt „Kfz-Versicherung“ als solches ist in der Diskussion über das vernetzte Automobil jedoch kaum ein Thema, obwohl in einigen Marktsegmenten die behutsame Einführung von Telematiktarifen bereits begonnen hat. Die Versicherungsgesellschaften in Deutschland sind gleichwohl bestrebt, ihre Produkte unter Nutzung der Möglichkeiten des IoT zu optimieren.

Am 4. April 2016 hat die deutsche Versicherungswirtschaft einen automatischen Unfallmeldedienst eingeführt.1 Das System beruht auf einem Gerät, dem Unfallmeldestecker, der mithilfe von Geschwindigkeitssensoren eine Kollision und die Stärke des Aufpralls erkennt. Registriert der Stecker einen Unfall, werden die Informationen an eine App auf dem Smartphone des Fahrers gesendet. Die App übermittelt die Daten zusammen mit der aktuellen Position des Fahrzeugs über die zertifizierte Kommunikationsinfrastruktur der deutschen Versicherer (Trusted German Insurance Cloud, Abk. TGIC) an eine Notrufzentrale. Gleichzeitig wird eine Sprachverbindung aufgebaut. Falls der Fahrer nicht bei Bewusstsein ist oder sich aus einem anderen Grund nicht meldet, werden Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Das System kann auch zum Anfordern von Pannenhilfe verwendet werden.

Der neue Dienst kann als vorweggenommene Einführung des von der Europäischen Kommission auf den Weg gebrachten Notrufsystems eCall zur automatischen Meldung von Verkehrsunfällen in der EU betrachtet werden – wenn auch nur für Deutschland. Mithilfe dieses Systems sollen die Rettungskräfte schneller am Unfallort eintreffen und so die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten gesenkt werden. In Europa soll eCall für neu entwickelte Fahrzeuge ab 2018 obligatorisch werden. Das deutsche System ist schon heute sowohl in neuen, als auch älteren Modellen, vom Kleinwagen bis zur Luxusklasse, einsetzbar.

Hierfür steckt man lediglich den Unfallmeldestecker (der wie ein USB-Ladegerät aussieht und auch als ein solches eingesetzt werden kann) in den Zigarettenanzünder an. Nach einer einmaligen Initialisierung verbindet er sich automatisch über Bluetooth mit dem Smartphone des Fahrers.

Hervorzuheben ist, dass Daten nur bei einem Unfall oder einem manuell ausgelösten Anruf übermittelt werden. Für andere Zwecke wie etwa die Erfassung und Auswertung des Fahrverhaltens ist das System nicht ausgelegt.

Weiterführender Artikel: „Der telematische Irrweg der Kfz-Versicherung“ von Marco Morawetz.  

Endnote
  1. http://www.gdv.de/2016/03/versicherer-starten-automatisches-notruf-system-fuer-autos/

 

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