Unsere Internetseite verwendet Cookies. Indem Sie weiter auf unserer Website navigieren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Perspective

MERS sorgt für zunehmende Beunruhigung

June 11, 2015| Von Dr. Ian Cox | L/H General Industry, Life | Deutsch | English

Per 11. Juni 2015 wurden in Südkorea bei 130 bestätigten Erkrankungen an MERS, dem Middle East Respiratory Syndrome, neun Todesfälle gezählt. Es handelt sich um den bisher heftigsten Ausbruch der Viruserkrankung außerhalb der Arabischen Halbinsel.

Doch was ist MERS? Stellt das Virus, das über die Luft übertragen wird, eine massive Bedrohung für die Weltgesundheit dar?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere nationale Gesundheitsbehörden, die die Mortalitätsraten des SARS-Ausbruchs (Severe Acute Respiratory Syndrome) aus dem Jahr 2003 kennen, nehmen MERS jedenfalls sehr ernst.

Die Erreger von MERS und SARS sind eng verwandt. Beide Krankheiten entstehen durch Infektion mit dem weit verbreiteten Coronavirus. Einige seiner Stämme verursachen die allgegenwärtigen Erkältungen. Das für MERS verantwortliche Coronavirus heißt MERS-CoV. Doch anders als bei einer gewöhnlichen Erkältung kann die Infektion mit MERS-CoV zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Atemwegs- und Nierenversagen führen.

Am 1. Juni meldete die WHO 1.150 im Labor bestätigte Erkrankungen und 450 Todesfälle durch den aktuellen MERS-Ausbruch, wobei die tatsächlichen Zahlen sehr viel höher sein könnten. Schließlich waren zwischen 2002 und 2003 unter den wahrscheinlich 8.098 SARS-Patienten 774 Todesfälle zu verzeichnen.

Der MERS-Ausbruch entwickelt sich langsam. Der erste neue Fall trat 2012 in Saudi-Arabien auf, und seither werden immer wieder neue Fälle aus zahlreichen anderen Ländern gemeldet, zuletzt und vermehrt in Asien, also weit entfernt vom Mittleren Osten, dem MERS aufgrund seines ursprünglichen Auftretens seinen Namen verdankt.

Es gibt einige bedeutende Unterschiede zwischen MERS und Ebola, das andere Virus, das im vergangenen Jahr für einen Krankheitsausbruch verantwortlich war. Ebola beschränkt sich auf Westafrika und wird durch den direkten Kontakt mit erkrankten Personen übertragen. MERS hingegen wird über die Luft übertragen.

Menschen aller Altersgruppen können an MERS erkranken. Die Inkubationszeit von zumeist zwei bis fünf Tagen kann in Einzelfällen bis zu zwei Wochen betragen. Das Virus verbreitet sich durch engen Kontakt zwischen Familienmitgliedern oder Pflegepersonen. Die meisten der gegenwärtig in Südkorea infizierten Personen waren in einem einzigen Krankenhaus beschäftigt. Noch hat sich die Krankheit über diesen Personenkreis hinaus nicht verbreitet, doch die Sorge besteht durchaus. Anfang Juni wurden mehr als 3.000 Personen unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Manche Leute tragen Gesichtsmasken als Schutz. Damit die Maßnahme sinnvoll erscheint, muss es sich bei diesen um Standardmasken vom Typ N95 handeln (die 95 % aller Partikel herausfiltern). Es ist jedoch unklar, ob das Tragen einer Maske überhaupt verhindern kann, dass Coronaviren mit der Luft eingeatmet werden. Per 11. Juni bestanden zwar keine Reisebeschränkungen in MERS-Länder, doch Hongkong und Taiwan warnten vor Reisen nach Südkorea.

Die Identifizierung von Risikopersonen gestaltet sich schwierig, weil der Ausbruch geografisch nicht einzugrenzen ist. Theoretisch könnte jede Person mit ungeklärten Atemwegsproblemen an MERS erkrankt sein. Wer Kontakt mit einer infizierten Person hatte, sollte jedenfalls mindestens zwei Wochen nach diesem Kontakt zweimal täglich die Körpertemperatur messen und jedes Auftreten von Fieber, Husten oder Atemnot sofort melden.

Es gibt keine Impfung oder antivirale Therapie gegen MERS. Die beobachtete Mortalitätsrate liegt bei 10 % bis 30 % und ist bei Menschen mit anderen Grunderkrankungen erhöht.

Da jedoch kaum Daten über die Zahl der Personen mit subklinischen Infektionen vorliegen, könnte die Mortalität isolierter MERS-CoV-Infektionen überschätzt werden.

Updates zu MERS finden Sie hier:

http://www.cdc.gov/coronavirus/mers/

http://www.who.int/csr/disease/coronavirus_infections/en/

 

Meistgelesen

Stay Up to Date. Subscribe Today.

Autoren

Lernen Sie unsere Experten kennen

View Contributors