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Perspective

Haftpflicht am Bau - kein Beiwerk, sondern ein Muss

November 15, 2018| Von Alexander Eistert | General Liability, Property | Deutsch | English

Region: Europe

Die Bauwirtschaft in Europa boomt: Das anhaltend kräftige Wachstum der europäischen Baubranche wird durch die gute wirtschaftliche Lage einzelner Länder gefördert. Vor allem in Ballungszentren steigt der Bedarf an neuem Wohnraum, während gleichzeitig ältere Immobilien fachgerecht modernisiert werden müssen. Zudem werden Baumaßnahmen durch das Niedrigzinsumfeld und gezielte Investitionen in den Immobiliensektor angekurbelt. Auch Infrastruktursysteme, z. B. Autobahnbrücken, genügen nicht mehr den aktuellen Standards und erfordern Investitionen in Baumaßnahmen zur Ertüchtigung und Zukunftssicherung der Infrastrukturen.

In Deutschland befindet sich die Bauindustrie bereits seit mehreren Jahren auf Wachstumskurs. Damit stellt die Branche hierzulande nach wie vor einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar: Im vergangenen Jahr erzielte die Bauwirtschaft einen Umsatz von EUR 114 Mrd. Für 2018 und 2019 erwartet die deutsche Bauwirtschaft ein nominales Umsatzplus von je 6 %.1

Die anhaltende Hochkonjunktur im Bausektor facht auch die Nachfrage nach Versicherungslösungen aus allen Bereichen an - von der Bauausführung bis hin zu Architekten und Sachverständigen. Gleichzeitig werden verstärkt neue Produkte wie kombinierte Deckungen, bestehend aus diversen Haftpflichtversicherungs- und Bauleistungsversicherungsbausteinen, auf den Markt gebracht.

Die Versicherung von Baurisiken stellt die Underwriter vor größere Herausforderungen. Häufig sind zahlreiche Parteien in ein und demselben Projekt in unterschiedlichen Bereichen involviert. Dies reicht vom Projektdesign über die Projektüberwachung bis hin zur Bauausführung und dem Baumanagement. Je nach Komplexität des Projekts erbringt derselbe Akteur mehrere Dienstleistungen aus einer Hand.

Abhängig von rechtlichen Bedingungen und den zwischen den beteiligten Parteien vertraglich vereinbarten Leistungen kann dabei die Haftung der einzelnen Akteure stark variieren.

Detaillierte Prüfung beim Underwriting ist entscheidend

Unterschiedliche länder- und projektspezifische Besonderheiten sind beim Underwriting von Baurisiken genau zu berücksichtigen. Bei der Prüfung und Einschätzung des Exposures sowie der Festsetzung der Prämie sollten daher Kriterien, z. B. versichertes Unternehmen (handelt es sich beim Versicherungsnehmer um ein Konsortium oder ein eigenständiges Unternehmen), versicherte Leistung (welche Arbeiten werden durch den VN erbracht und sollen versichert werden) sowie die vertraglichen Beziehungen zwischen dem Versicherten und weiteren Projektbeteiligten insbesondere zur Abgrenzung von Dritt- und Eigenschäden umfassend analysiert und eingeordnet werden. Dies führt sodann zu einer genauen Underwritinganalyse des Bauprojekts und sorgt abschließend für eine konkrete Bestimmung der Risikoexponierung.

Construction Risk

Adäquate Versicherungsprodukte reduzieren das Risiko

Haftpflichtrisiken bei Bauprojekten lassen sich über verschiedenste Versicherungslösungen abdecken. Eine Betriebshaftpflichtversicherung oder „CAR (Contractors All Risk) Sektion II - Deckung“ bieten Schutz bei Ansprüchen Dritter. Die Schäden am Bauwerk selbst bleiben aber ausgeschlossen.

Haftpflichtpolicen für Architekten und Ingenieure wiederum bieten ebenfalls eine Drittschadendeckung und zudem eine Absicherung gegen Schäden infolge fehlerhaften Designs am zu errichtenden Objekt (das sich im Eigentum des Errichters befindet).

Für Bauunternehmen, die Planung und Bauausführung aus einer Hand übernehmen und ausführen, deckt eine Design & Construct-Police Drittschäden einschließlich der Schäden am Bauwerk selbst (hier befindet sich das Objekt im Eigentum des Versicherungsnehmers).

Wie bereits erwähnt stellen Baurisiken eine besondere Herausforderung für das Underwriting dar. Dies liegt nicht nur daran, dass Projekte je nach Standort, Design, technischer Konstruktion und Materialien einzigartig sind, sondern insgesamt eine Zunahme der Komplexität (in Design und auch bezüglich der Lokation) festgestellt werden kann. Das gilt vor allem für große Neubauprojekte im Hochbau und in urbanen Gegenden. Hier sind insbesondere Vermögensfolgeschäden nicht außer Acht zu lassen, die im Falle eines Schadenfalls beträchtliche Summen generieren können. Auch der Kostendruck, der zu abnehmender Qualität der eingesetzten Arbeitskraft und der verarbeiteten Materialien führt, erhöht die Schadenanfälligkeit bei Bauprojekten. Daher ist die Haftpflichtversicherung nicht nur als Beiwerk zur Sachversicherung zu sehen sondern erfordert eine sorgfältige Analyse im gesamten Underwritingprozess.

Als weltweit agierender Rückversicherer verfügt die Gen Re über umfangreiche Erfahrung in der Absicherung von Bauprojekten und steht als Partner für Rückversicherungslösungen bereit. Unerlässlich für einen Risikodialog und die damit verbundene Analyse sind folgende Informationen:

  • Konkrete Beschreibung des Projekts (was wird errichtet, Dauer der Arbeiten, Umgebung)
  • Erfahrungen und Schadenstatistik des Versicherten
  • Was liegt im Verantwortungsbereich des Versicherten?
  • Wie ist die Deckung ausgestaltet?

Eine Haftpflichtversicherung sollte also nicht nur Beiwerk, sondern unerlässlicher Bestandteil bei der Absicherung von Baurisiken sein. Es ist davon auszugehen, dass der Bausektor weiterhin von den eingangs beschriebenen Szenarien profitieren wird und damit die Notwendigkeit an Versicherungslösungen bestehen bleibt. Die Bauwirtschaft kann durch Personen- oder Vermögensschäden substanziellen Forderungen ausgesetzt sein. Auch kleinere Projekte können bereits enorme Schäden verursachen. Katastrophenschäden sind ebenfalls möglich. Eine Rückversicherung kann helfen, das Risiko zu minimieren. Sprechen Sie uns an.

Endnote
  1. Jahresbilanz 2017 des Bauhauptgewerbes, https://www.bauindustrie.de/presse/presseinformationen/bauhauptgewerbe-zieht-positive-jahresbilanz-2017/

 

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