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Perspective

Die Auswirkungen aktueller technologischer Trends auf die Orthopädie

August 27, 2019| Von Dr. Sandra Mitic | Disability | Deutsch | English

Neue Technologien führen zu einem Wandel in der Medizin, so zum Beispiel in der Orthopädie und der Chirurgie. Angesichts aktueller Entwicklungen auf dem Gebiet der Materialwissenschaft, Computersimulation und Robotik ist für die kommenden Jahre mit noch größeren Fortschritten zu rechnen.

Die Vorteile, die sich aus dem Einsatz entsprechender Technologien für den Bewegungsapparat und andere Bereiche des menschlichen Körpers ergeben, wirken sich positiv auf die Dauer der Genesung eines Patienten sowie die damit verbundenen Beeinträchtigungen aus und führen zu einer früheren und besseren Funktionalität sowie einem geringeren Grad der Behinderung.

Abgesehen von den Vorteilen für die Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung werden sich diese Entwicklungen auch auf den Lebensversicherungssektor auswirken - es lohnt also, sich mit den wichtigsten aktuellen und künftigen orthopädischen Trends vertraut zu machen, bevor diese sich vollständig durchgesetzt haben.

So zeigen beispielsweise aktuelle Studien zu Behandlungsergebnissen in der Wirbelsäulenchirurgie, dass der Einsatz von Bandscheibenprothesen zu einer benachbarten Segmentdegenerationskrankheit der angrenzenden Wirblekörper („adjacent segment disease „(ASD)) führen kann.

Ein neuer, alternativer Ansatz besteht in der Implantation von Bandscheiben, die durch Tissue Engineering aus Hundezellmaterial hergestellt und in Kollagen und Alginat-Hydrogele eingesetzt werden. Im Rahmen von In-vivo-Studien konnte bei diesen Prothesen ein signifikant höherer Erhalt von Position, Struktur, Scheibenhöhe und physiologischer Befeuchtung festgestellt werden.

Zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates gehört die Kniegelenksarthrose mit Knorpelabbau. Diese Erkrankung führt zu Steifigkeit und Schmerzen, die mit der Zeit meist zunehmen. Für Betroffene, die täglich unter Schmerzen leiden, gibt es nur sehr wenige Behandlungsoptionen, die das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen. Jedoch wurde jüngst ein implantierbarer „Stoßabsorber“ auf den Markt gebracht, der die Notwendigkeit einer Totalendoprothese verzögern oder sogar vermeiden könnte. Das Produkt, das erstmals in den USA implantiert wurde, dient dazu, den Druck auf die Kniegelenke zu verringern, sodass der Patient weiterhin schmerzfrei körperlich aktiv sein kann. Der Absorber wird aus hochmodernen Biomaterialien hergestellt und seitlich am Oberschenkelknochen und Schienbein befestigt, ohne das Gelenk selbst zu verändern.

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Gleichzeitig werden Monitoring-Geräte weiterentwickelt, um die Langlebigkeit von Knieprothesen zu erhöhen. In den USA hat eine Gruppe von Forschern einen Knieprothesen-Sensor entwickelt, der durch Reibung mit Elektrizität versorgt wird.

Der 3D-Druck hat vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und wird unter anderem auch zur Herstellung orthopädischer Hilfsmittel und Prothesen eingesetzt. Mit modernen 3D-Druckern lassen sich passgenaue Implantate und Prothesen anfertigen, die individuell an den Patienten angepasst sind. Diese Art der Implantatproduktion sorgt für mehr Flexibilität, Genauigkeit sowie eine Verringerung der Risiken und ermöglicht so eine schnellere und bessere Genesung des Patienten.

Virtual Reality wird heutzutage weitläufig für das Üben und Erlernen orthopädischer Operationstechniken sowie die digitale präoperative Planung eingesetzt. Die Idee, operative Eingriffe an virtuellen Patienten zu erlernen, ist nicht neu. Doch erst seit kurzem ist die virtuelle Technologie so weit fortgeschritten, dass entsprechende Simulatoren auch praxistauglich sind. Auch für Planungsprozesse werden Simulationen eingesetzt.

Chirurgen werden heutzutage von Robotern unterstützt, deren Präzision weit über menschliche Fähigkeiten hinausgeht. Robotergesteuerte Operationssysteme bieten Planungs-, Workflow-, Prozessausführungs- und Bestätigungsfunktionen für die genaue Platzierung von Instrumenten, etwa während eines operativen Eingriffs an der Wirbelsäule. Ein solches System ermöglicht die computergesteuerte Planung der Operation, dreidimensionale Analyse der Wirbelsäulenanatomie, robotergesteuerte Navigation und gibt während der gesamten Operation Rückmeldungen zum aktuellen Stand des Prozesses. Kameras, Führungsmarkierungen und ein Roboterarm überwachen kontinuierlich die Position der chirurgischen Instrumente und bringen sie präzise an der Wirbelsäule in Stellung.

Doch wie werden sich diese neuen Technologien auf die Lebens-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung auswirken? Es ist klar davon auszugehen dass die Effekte positiv sein werden, da sich die körperliche Mobilität von Menschen, die an Einschränkungen des Bewegungsapparat leiden, weiterhin verbessern wird.

Dementsprechend ist davon auszugehen, dass sich die Zeiträume der Arbeits-/Berufsunfähigkeit für diejenigen verkürzen werden, die bereitwillig wieder in den Beruf zurückkehren möchten - zumindest in Ländern, deren Gesundheitssysteme breiten Zugang zu den modernen Technologien bieten. Mit effektiven Hilfsmitteln zur Überwindung körperlicher Einschränkungen könnte die Arbeitsleistung einer Person in einem bislang nicht vorstellbarem Ausmaß wiederhergestellt werden.

Aus geschäftlicher Sicht ist es deshalb definitiv sinnvoll, künftig darüber nachzudenken, wie die Vorteile, die sich aus der anhaltenden technologischen Revolution ergeben, in den Underwriting-Richtlinien berücksichtigt werden können.

 

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