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Perspective

Warum das biologische Alter für die Vorhersage der Lebenserwartung wichtiger ist als das kalendarische Alter

April 26, 2016| Von Francisco Garcia | Life | Deutsch | Español | English

Region: Europe

Fragen wir jemanden nach seinem Alter, möchten wir normalerweise von ihm wissen, wie viele Jahre seit dem Tag seiner Geburt vergangen sind. Anders gesagt: Wir interessieren uns für sein kalendarisches Alter. Tatsächlich kann die Antwort auf diese scheinbar einfache Frage viel komplexer sein als man denkt.

Eine Person, der man ihr Alter nicht gleich ansieht, ist ihrem „äußeren“ Alter nach also entweder jünger oder älter als nach ihrem kalendarischen Alter.

Der äußere Eindruck vom Alter eines Menschen hängt manchmal auch von der offenkundigen emotionalen oder geistigen Reife ab oder von eher oberflächlichen Aspekten wie Verhalten, Kleidungsstil oder Musikgeschmack.

Das kalendarische Alter einer Person verrät uns lediglich, ob sie jung, alt oder sehr alt ist, sagt aber möglicherweise nichts oder nur wenig über ihre zukünftige Lebenserwartung aus. Das hängt damit zusammen, dass bei einer bloßen Zahl das biologische Alter der Person unberücksichtigt bleibt.

Das biologische Alter errechnet sich auf Grundlage von wissenschaftlich messbaren Faktoren wie Blutdruck, Cholesterinspiegel, Stoffwechselwerte, Leber- und Nierenfunktion sowie Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems und der Lungen. Das biologische Alter eines Menschen lässt also Rückschlüsse darauf zu, wie sich die weitere Entwicklung seiner Gesundheit auf die Lebenserwartung auswirken wird.

Vereinfacht gesagt, lässt sich so ungefähr sagen, wie viele Jahre der möglichen Lebenserwartung im Vergleich zu einer normal gesunden Person desselben Alters bereits „verbraucht“ sind. Und genau darin besteht das Hauptinteresse von Lebens- und Krankenversicherern.

Neuere Studien weisen darauf hin, dass die Länge der Telomere – also der Enden der Chromosomen – einen unmittelbaren Rückschluss auf das biologische Alter der Zellen eines Körpers zulässt. Telomere sind demnach als möglicherweise die wichtigsten Biomarker für die individuelle Lebenserwartung, die es ermöglichen, das biologische Alter eines Menschen wissenschaftlich zu messen.

Wie sich die Länge der Telomere mit der Zeit verändert, hängt von mehreren Einflüssen ab – unter anderem von gesundheitlichen und genetischen Faktoren. Auf eine mögliche familiäre Vorbelastung haben wir keinen Einfluss. Die gesundheitlichen Faktoren können wir jedoch durchaus kontrollieren, indem wir z. B. einen „mediterranen“ Ernährungsplan mit viel Obst, Gemüse und Fisch befolgen, regelmäßig Sport treiben, in einer ruhigen und sauberen Umgebung leben, nur in Maßen Kaffee und Alkohol trinken und auf das Rauchen verzichten.

Anhand der Länge der Telomere könnte die Lebenserwartung eines Menschen ermittelt werden, noch bevor sich erste Erkrankungen einstellen. Andere DNA-Marker, die mit der Lebensdauer in Verbindung stehen, werden derzeit untersucht. Zukünftig wird die Genforschung sicherlich weitere Faktoren ermitteln, um das biologische Alter eines Menschen noch genauer zu bestimmen. Das würde bedeuten, dass jeder Einzelne von uns einen wesentlich größeren Einfluss auf die zukünftige Lebensdauer nehmen könnte als heute schon.

 

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