Unsere Internetseite verwendet Cookies. Indem Sie weiter auf unserer Website navigieren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Perspective

Wie Versicherer das biologische Alter zur Verbesserung ihrer Kundenbeziehung nutzen können

July 07, 2016| Von Francisco Garcia | Life | Deutsch | Español | English

Altern gehört zum Leben und ist häufig ein emotionaler Prozess. Die meisten Menschen haben eine irrationale Haltung zum eigenen Älterwerden. So kann eine gesunde Ernährung oder regelmäßige sportliche Betätigung den Effekt haben, dass wir uns jünger fühlen. Tatsächlich könnte dieses Gefühl sogar unser biologisches Alter widerspiegeln. Das biologische Alter, das individuelle Faktoren berücksichtigt, sagt vielleicht sogar mehr über den aktuellen Gesundheitszustand eines Menschen aus als sein chronologisches Alter, das kontinuierlich und linear zunimmt.

Das biologische Alter kann unser Verhalten wesentlich beeinflussen, indem es uns beispielsweise motiviert, mehr für unsere Gesundheit zu tun und gesundheitsschädliche Gewohnheiten abzulegen. Informiert man einen 50-jährigen Raucher darüber, dass sein biologisches Alter aufgrund seines Zigarettenkonsums bereits bei 65 Jahren liegt, wird das sicherlich eine abschreckende Wirkung auf ihn haben. Wirkungsvoller als Gesundheitswarnungen sind jedoch vermutlich Informationen darüber, um wie viele Jahre man sein Leben verlängern könnte, würde man mit dem Rauchen aufhören. Schockbilder von Raucherlungen und anderen Gesundheitsschäden als Folgen des Rauchens auf Zigarettenpackungen halten hingegen viele nicht davon ab, zum Glimmstängel zu greifen, da sie nur an den Verstand des Menschen appellieren und nicht an seine Emotionen. (Lesen Sie dazu den Blog-Artikel Cigarettes - What’s Your Poison? von Ross Campbell)

Die Kombination des biologischen Alters mit aktuellen Trends im Bereich der digitalen Gesundheit bietet Versicherern neue Möglichkeiten. Sogenannte Wearables und Apps für Mobilgeräte überwachen sportliche Aktivität sowie Ernährung und können den Einzelnen dabei unterstützen, gesünder zu leben und seine Fortschritte über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen. Viele dieser Apps basieren auf Systemen, mit denen sich ein Gesundheits-Score ermitteln lässt. Ein verbesserter Score ist quantifizierbar und weist auf ein jüngeres „biologisches Alter“ hin.

Das biologische Alter könnte auch als Begründung für eine Prämienerhöhung herangezogen werden. Anstatt auf ein überhöhtes Sterblichkeitsrisiko oder eine geringere Lebenserwartung zu verweisen, könnte man einem Antragsteller erklären, dass sein biologisches Alter aufgrund seines Gesundheitszustands höher ist als sein chronologisches Alter. Dies könnte als Erläuterung für einen Prämienzuschlag eher überzeugen.

Das Wissen über das biologische Alter kann also bei Versicherten ein verändertes Bewusstsein für den eigenen Lebensstil bewirken. Und nicht nur das: Durch den Einsatz von Wearables oder Apps ließe sich auch die regelmäßige und fortlaufende Interaktion zwischen Versicherern und Versicherten steigern und die Kundenbeziehungen verbessern. Bisher nehmen Versicherte in der Regel nur Kontakt zu ihrer Versicherung auf, wenn sie von einer schweren Erkrankung, Berufsunfähigkeit oder dem Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind. Die vermehrte Interaktion könnte einen wichtigen Wandel in der Beziehung zwischen Versicherern und Versicherten einleiten und dazu beitragen, dass Versicherer die Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer Kunden besser kennenlernen.

Dies könnte einerseits die Kundentreue steigern. Andererseits hätten Versicherer durch das genauere Verständnis der Bedürfnisse und Vorlieben ihrer Kunden viel mehr Möglichkeiten, ihre Produkte und Leistungen zu modernisieren und zu verbessern – und auch neue für sie zu entwickeln. Das wachsende Bedürfnis der Menschen nach mehr Kontrolle über die eigene Gesundheit beinhaltet für Versicherer außerdem die Chance, Leistungen aus dem Bereich des Gesundheitsmanagements in ihr Angebot zu integrieren, Produkte zu den Themen Fitness und Gesundheit anzubieten, sportliche Betätigung auf spielerische Weise zu belohnen und vieles mehr.

Ein Versicherungsangebot auf Grundlage des biologischen Alters ist vor allem für diejenigen attraktiv, die bereits gesundheitsbewusst leben und für ihr jüngeres biologisches Alter in Form von Prämienrabatten belohnt werden. In Anlehnung an das Konzept „Pay as you drive“ im Bereich der Kfz-Haftpflichtversicherung könnten Lebens- und Krankenversicherer ihre Beiträge zukünftig nach dem Prinzip des „Pay as you live“ berechnen.

Was immer die Zukunft bereithält – ein durchdachter Einsatz des „biologischen Alters“ in Kombination mit neuen Technologien bietet für Lebens- und Krankenversicherer die Chance, die Beziehung zu ihren Kunden auszubauen und zu vertiefen.

Warum das biologische Alter für die Vorhersage der Lebenserwartung wichtig ist und wie es sich auf die Feststellung der voraussichtlichen Lebenserwartung auswirken könnte, erfahren Sie in meinen anderen Blog-Beiträgen zum Thema.

 

Stay Up to Date. Subscribe Today.

Autoren

Lernen Sie unsere Experten kennen

View Contributors