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Perspective

Stressbewältigung am Arbeitsplatz – Resilienz und psychische Gesundheit

March 17, 2016| Von Anke Siebers | Disability | Deutsch | English

Stress am Arbeitsplatz kann zu verminderter Leistungsfähigkeit und persönlicher Unzufriedenheit führen und sogar psychische Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen hervorrufen. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Wirtschaft sind enorm. Nach Erkrankungen des Bewegungsapparats ist Stress der zweithäufigste Grund für arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme in Europa. Neueste Schätzungen ergaben, dass insgesamt 75 % aller Erwerbstätigen in Europa von arbeitsbedingtem Stress betroffen sind – das sind mehr als 40 Millionen Menschen.1 Das Stressempfinden ist individuell sehr unterschiedlich. Personen, die sich in schwierigen Situationen weniger belastet fühlen, gelten als „resilient“ – eine besonders wertvolle Eigenschaft in der heutigen von großem Druck geprägten Arbeitswelt.

Was genau ist unter Resilienz zu verstehen? Resilienz ist die Fähigkeit, auch unter widrigen Umständen erfolgreich zu handeln, Ruhe zu bewahren und Krisen zu bewältigen. Dabei bedeutet Resilienz jedoch nicht, vollkommen frei von Stress oder negativen Gefühlen zu sein. Der Weg zu mehr Resilienz liegt vielmehr in der Überwindung negativer Emotionen und der Entwicklung von Bewältigungsstrategien, die es ermöglichen, Krisensituationen effektiv zu meistern.2

Personen mit einem hohen Grad an Resilienz sind optimistisch und handeln lösungsorientiert. Sie glauben fest daran, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben und Ereignisse maßgeblich beeinflussen zu können. Am Arbeitsplatz bilden sie positive Beziehungen und sind gute Netzwerker.3

Resiliente Menschen betrachten Probleme von allen Seiten, um so neue Interpretationen und effektivere Handlungsweisen zu finden. Die Akzeptanz des Problems ermöglicht ihnen, ihre Impulse besser zu kontrollieren, sich der Umgebung optimaler anzupassen und Empathie zu zeigen. Sie können Schwächen zugeben und um Hilfe bitten.4

Manche Menschen sind grundsätzlich resilienter als andere. Nichtsdestotrotz ist Resilienz erlernbar. Problemzentrierung und proaktives Handeln können trainiert werden, um Stress am Arbeitsplatz zu mindern. Die Analyse früherer Erfahrungen und persönlicher Stärken hilft zu verstehen, welche Strategien in der Vergangenheit zu Erfolg geführt haben, um sie so zur Bewältigung neuer, anderer Situationen anzuwenden. Krisen sollten als Herausforderung gesehen werden und nicht als unüberwindbare Hindernisse. Entscheidend ist, aktiv zu handeln, Gefühle zuzulassen und Hilfe anzunehmen.5

Ein höheres Maß an Resilienz kann wesentlich zur Verbesserung der psychischen Gesundheit beitragen. Resilienz steht direkt mit einer höheren Motivation, mehr Flexibilität, einer größeren Kooperationsbereitschaft und geringeren Fehlzeiten bei der Arbeit in Verbindung. Sie hilft, Stärken zu entwickeln und langfristig physisch und psychisch gesund zu bleiben.6

Versicherer erleben eine stetig steigende Anzahl an stressbedingten Leistungsfällen in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt ist Stress am Arbeitsplatz unvermeidbar. Ziel der Versicherer sollte es daher sein, die Kunden bei einem besseren Umgang mit Stress zu unterstützen, um so eine Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen.

Endnoten
  1. European Agency for Safety at Work (2015). Facts and figures about stress and psychological risks. http://hw2014.healthy-workplaces.eu/en/stress-and-psychosocial-risks/facts-and-figures.
    The Royal Society for the Prevention of Accidents (2015). Stress in the workplace. http://www.rospa.com/occupational-safety/advice/health/stress/.
  2. Brooks, R. & Goldstein, S. (2004). The power of resilience: Achieving balance, confidence and personal strength in your life. New York: McGraw Hill.
  3. American Psychological Association (2015). The road to resilience. www.apa.org.
  4. Werner, E. E., & Smith, R. S. (1982). Vulnerable but not invincible: A longitudinal study of resilient children and youth. New York: McGraw Hill.
  5. Britt, T. W. & Jex, S. M. (2015). Thriving under stress. Harnessing demands in the workplace. New York: Oxford University Press.
  6. McDonalds, S. (2014). Building individual resilience to improve workplace wellbeing and work outcomes. InPsych 12/2014. www. psychology.org.au.

 

 

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