Unsere Internetseite verwendet Cookies. Indem Sie weiter auf unserer Website navigieren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Perspective

Neue Krebsdiagnostik - Eine Bedrohung für die Dread-Disease-Versicherung?

September 11, 2017| Von Karin Brendel | Critical Illness | Deutsch | English

Region: Europe

In medizinischen Fachkreisen herrscht Einigkeit, dass die Histopathologie in den kommenden 15 Jahren für die Wahl der passenden Krebsbehandlung und letztlich für die Diagnose von Krebs an Bedeutung verlieren wird. In dieser Zeit werden Verfahren der Flüssigbiopsie zum Nachweis von im Blut zirkulierenden Tumorzellen (CTC), Tumor-DNA (ctDNA) oder microRNA/Exosomen deutliche Fortschritte hinsichtlich evidenzbasierter Präzision erreicht haben.

Doch nicht nur die technische Weiterentwicklung dieser neuen Technologie ist entscheidend. Um in die nationalen Gesundheitssysteme integriert zu werden, muss das Verfahren auch seine Kosteneffizienz unter Beweis stellen. Das Ziel müssen insgesamt geringere Behandlungskosten im Vergleich zur derzeitigen Praxis sein - trotz einer höheren Zahl an Diagnosen.

Der vergleichsweise lange Zeitrahmen dieser Entwicklung mag die Versicherer, die Dread-Disease-Versicherungen anbieten, derzeit noch beruhigen, ebenso wie die Tatsache, dass ein positives CTC- oder ctDNA-Testergebnis allein die aktuelle Standard-Krebsdefinition in vielen Märkten nicht erfüllen würde.

Gleichwohl sollte die Versicherungsbranche die sprachliche Definition von Krebs in Dread-Disease-Policen überprüfen, während sich diese Technologien noch in der Entwicklung befinden. Besondere Dringlichkeit ist dort geboten, wo aufgrund von standardisierten Definitionen Änderungen nur nach branchenweiter Absprache vorgenommen werden können. Märkte, die garantierte Versicherungsbeiträge bieten, stehen vor einer größeren Herausforderung als Märkte, in denen anpassbare Beiträge die Norm sind.

New Cancer Diagnostics

Die Herausforderung für alle Versicherer besteht darin, eine Krebsdefinition zu erarbeiten, die sicherstellt, dass auch bei neu entwickelten Technologien ein vergleichbarer Schweregrad gewährleistet ist. Ein solcher Schweregrad sorgt dafür, dass Anbieter von Dread-Disease-Versicherungen auch wirklich nur bei einer schweren und nicht bereits bei einer leichteren Erkrankung leistungspflichtig werden - was gleichzeitig verhindert, dass solche Produkte unbezahlbar werden.

Die aktuelle Beitragsgestaltung basiert auf Erfahrungen mit seit langem verwendeten Diagnosewerkzeugen. Der technische Fortschritt zielt zum großen Teil darauf ab, Krebs in einem früheren Stadium und damit letztendlich auch häufiger erkennen zu können. Die rasant sinkenden Kosten für die DNA-Sequenzierung könnten weiterhin zur Folge haben, dass Personen diese Untersuchungen mit Blick auf eine potenzielle Auszahlung ihrer Dread-Disease-Versicherungsleistung durchführen lassen oder eine Versicherung abschließen, sobald sie ihr Risiko oder ihre Diagnose erfahren haben.

Die neuen Blutuntersuchungen haben das Potenzial, den diagnostischen Prozess von Grund auf zu verändern - mit bislang unbekannten Folgen für die Häufigkeit der Feststellung von Krebserkrankungen. Versicherer müssen sich auch darauf vorbereiten, dass in der Zukunft neue Untersuchungen ganz andere Beweismethoden für die Geltendmachung von Krebs-Leistungen hervorbringen als heute üblich. Krebs ist die häufigste Leistungsursache für Dread-Disease-Versicherungen. Deshalb hat die Art und Weise, wie Krebs diagnostiziert wird, einen erheblichen Einfluss auf die Häufigkeit von Leistungsfällen.

Ein positiver Effekt sowohl für Versicherte als auch für Versicherer ist, dass Krebserkrankungen, die in einem Vor- oder Frühstadium erkannt werden, erfolgreicher behandelt werden können, sodass die Belastungen durch invasiven Krebs möglicherweise reduziert werden. Dies würde sich tatsächlich positiv auf die Inzidenzraten auswirken und auch die Sterblichkeit deutlich senken. Daher ist davon auszugehen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für Krebs in Zukunft anders ausfallen wird - selbst wenn der dramatische Wandel in der Diagnostik nicht über Nacht eintritt.

 

Meistgelesen

Stay Up to Date. Subscribe Today.

Autoren

Lernen Sie unsere Experten kennen

View Contributors