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Perspective

„The new normal“ – Wie normal ist die neue Normalität?

January 12, 2016| Von Tad Montross | L/H General Industry, P/C General Industry | Deutsch | Français | English

Über „The New Normal“ wurde bereits viel geschrieben. Dabei wird oft behauptet, dass die aktuellen Marktbedingungen die Folge von grundlegenden langfristigen oder strukturellen Veränderungen im Versicherungsgeschäft sind.

Ich halte „The New Abnormal“ für eine treffendere Bezeichnung – wir erleben derzeit zwar typische zyklische Herausforderungen, doch strukturelle Veränderungen werden folgen. Dieser weiche Marktzyklus ist m. E. „abnormal“, da wir zurzeit in einer Welt mit niedrigen bis negativen Zinsen leben. Wir erleben weiterhin eine positive Abwicklung von Schadenrückstellungen aus Vorjahren und hatten glücklicherweise nur moderate Katastrophenschäden zu verzeichnen.

Keiner dieser Faktoren wird vermutlich lange bestehen bleiben.

Das aktuelle Zinsumfeld lässt sich am ehesten als ein Experiment beschreiben, dass das Versicherungsgeschäft attraktiv für direkte wie auch für Kapitalmarktinvestitionen gemacht hat.

Außerdem resultierte der Großteil der günstigen Entwicklungen der nordamerikanischen Schadenreserven aus dem harten Markt in den Schadenanfalljahren 2002–2007. Inzwischen wird insbesondere bei den gewerblichen Versicherungen der letzten Schadenanfalljahre vermehrt über negative Entwicklungen berichtet.

Im Hinblick auf Naturkatastrophen konnten wir von einer sehr günstigen Periode profitieren: Seit zehn Jahren hat kein zerstörerischer Hurrikan mehr das Festland von Florida erreicht, so lange wie seit 1851 nicht mehr.

„Interessante“ Interpretationen

Die vielen Diskussionen über „The New Normal“ haben zu einigen „interessanten“ Interpretationen der Finanztheorie geführt, bei denen Diversifikation nun oft als Strategie angeführt wird. Pensionsfondsinvestoren preisen oft die niedrige Korrelation von Versicherungsverbriefungen (ILS) mit anderen Anlageklassen als besonderen Vorteil an. Als Beleg führen sie die kurze Zeit an, seit der es Katastrophenanleihen überhaupt erst gibt. Meines Erachtens wäre der Zeitpunkt unmittelbar nach einer 100- oder 200-Milliarden-Dollar-Katastrophe der bessere Referenzpunkt, nach der die Korrelation von Versicherungsrisiken mit Aktien und festverzinslichen Kapitalanlagen wahrscheinlich nahe 1 sein wird.

Beim neuen Hedgefonds-Rückversicherungsmodell werden die höhere Risikotoleranz bei Investitionen und die Bereitschaft, einen größeren Teil der hieraus erzielten Renditen in den Prämien zu berücksichtigen, betont. Dieses Modell ist fehlerhaft. Der risikolose Zinssatz ist der einzige geeignete Abzinsungssatz. Renditen über diesem Zinssatz gleichen das Kapitalanlagenrisiko aus und stehen somit zur Deckung des versicherungstechnischen Risikos zur Verfügung.

Die Strategie, Float anzuhäufen, ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Es ist leicht, Float zu generieren. Es ist jedoch sehr schwierig, beständig kostengünstigen oder kostenfreien Float zu erzeugen.

Im Versicherungsgeschäft geht es darum, die richtige Prämie für die jeweilige Risikoexponierung und die damit verbundene Unsicherheit zu bekommen, nicht um Preisgestaltung, die sich lediglich auf die Schadenerfahrung der letzten paar Jahre stützt. Und das ist nicht immer einfach in einem weichen Markt, der von Maklern dominiert wird, die die Preise drücken, aber das ist unsere Realität.

In fünf Jahren wird die Gen Re ihr 100-jähriges Bestehen feiern, für unsere deutsche Tochter, die ehemalige Kölnische Rück, sind es dann sogar bereits 175 Jahre. Wir investieren in die Zukunft. Und was am wichtigsten ist: Wir stehen zu unseren Versprechen, auch wenn der 200-Milliarden-Dollar-Hurrikan über Florida hereinbricht.

 

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