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Perspective

Die Digitalisierung des Underwriting-Prozesses in der Lebensversicherung - eine begrüßenswerte Entwicklung

March 18, 2019| Von Annika Tiedemann | Life | Deutsch | Français | Español | English

Die Digitalisierung der Lebens- und Krankenversicherung vollzieht sich in einem rasanten Tempo. In der Folge werden auch Personen auf die Prozesse der Antragstellung und des Underwriting aufmerksam, die bislang eher wenig damit zu tun hatten - etwa Aktuare, Marketingmitarbeiter und Produktmanager.

Es ist verständlich, wenn Underwriter das Gefühl haben, dass ihre Funktion zunehmend unter Druck gerät: Zahlreiche neue Ideen und Ansätze im Bereich der Entscheidungsfindung und des Marketings verweisen allerdings auf eine glänzende neue Zukunft für den Beruf.

Eine gute Underwriting-Entscheidung muss das Risikoprofil des einzelnen Antragstellers angemessen widerspiegeln. Dies kann sie nur, wenn sie auf aktuellen Risikodaten basiert und aus einem objektiven, unvoreingenommenen Entscheidungsprozess resultiert. Das Ergebnis ist ein Angebot, das den individuellen Bedürfnissen des Antragstellers bestmöglich entspricht. Ganz gleich, wie negativ eine Risikobewertung aus Sicht des Antragstellers wirken mag - wenn die Gründe dafür transparent dargelegt werden, kann er sie wahrscheinlich wesentlich einfacher akzeptieren.

Traditionelle Underwriting-Prozesse bergen zwangsläufig das Potential voreingenommener Entscheidungen, da individuelle Vorurteile zum Tragen kommen, die die tatsächlichen Risiken nicht widerspiegeln. Durch die fortschreitende Automatisierung des Underwriting könnte dieses Problem begrenzt werden. Ein Algorithmus setzt bei der Entscheidung ähnlicher Fälle ähnliche Maßstäbe an, die weder durch Zeit, Ort oder die Umstände verzerrt sind. Durch automatisierte Risikobewertungen werden Underwriter jedoch nicht überflüssig. Im Gegenteil: Je weniger Zeit für die manuelle Dateneingabe oder die Bearbeitung von Routinefällen aufgewendet werden muss, desto mehr Zeit kann effektiv in komplexe Aufgaben investiert werden.

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Das Potential für Entwicklungen prognostischer und therapeutischer Technologien im Versicherungsbereich ist enorm. Der medizinische Fortschritt vollzieht sich heutzutage größtenteils in Form von Apps, die Verhaltensweisen beobachten, Sensoren, die sich am oder sogar im menschlichen Körper befinden, sowie computergestützten Operationssystemen. Wenn Versicherungsnehmer motiviert werden können, Apps zu verwenden, um bei chronischen Erkrankungen wie z. B. Diabetes eine bessere Therapietreue zu erzielen, wäre der Mehrwert offensichtlich.

Durch die Kombination von fortschrittlichen Technologien und modernster Datenanalyse lassen sich Underwriting-Regeln schneller anpassen. In einer komplett digitalen Umgebung fließt die Erfahrung mit Schadensfällen nahtlos in die Underwriting-Regeln ein, sodass die Anpassung quasi in Echtzeit erfolgt. Traditionell werden Underwriting-Regeln retrospektiv aufgestellt und hinken der Realität somit hinterher. Predictive Analytics und selbstlernende Algorithmen basieren zwar ebenfalls auf Erfahrung, bringen jedoch zusätzlich ihre Prognosefähigkeit ein.

Heutige Verbraucher sind generell gut informiert und mündig und somit weniger bereit, die Entscheidungen ihres Versicherungsunternehmens einfach hinzunehmen. Sie meinen, aufgrund von Internetrecherchen oder durch die Verwendung von Apps und Wearables einen besseren Überblick über ihre Gesundheit und ihre Risiken zu haben. Und sie möchten, dass sich dieses Wissen auch im Angebot eines Versicherers widerspiegelt. Durch die Automatisierung werden Underwriter zunehmend von einigen ihrer routinemäßigen Aufgaben befreit und haben somit mehr Zeit, mit Kunden zu interagieren und Underwriting-Entscheidungen mit ihnen zu besprechen. Dies sollte zu einer höheren Kundenzufriedenheit und insgesamt besseren Kundenbeziehungen führen.

Eine kundenfreundliche Antragstellung, objektive Underwriting-Entscheidungen, engere Kundenbeziehungen, eine flexiblere Produktgestaltung, Versicherungsschutz für ein breiteres Spektrum der Bevölkerung sowie eine schnellere Anpassung an den medizinischen Fortschritt - klingt das alles wirklich so negativ?

Manche Menschen halten die Digitalisierung noch immer für einen Hype und hoffen, dass er bald vorübergeht. Andere setzen ihr Vertrauen darauf, dass Regulierung eine allzu tief greifende Umwälzung unserer Branche verhindern wird. In Bereichen wie Datenschutz und E-Commerce könnte der Wandel durch Regulierung tatsächlich aufgehalten werden - verhindert wird er dadurch jedoch nicht. Der digitale Wandel ist unumkehrbar und ihn zu ignorieren sicher keine Lösung.

Versicherungsgesellschaften müssen sich schnell an den digitalen Wandel anpassen oder laufen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Vor uns liegen zahlreiche Herausforderungen, die zugleich jedoch neue Chancen für die Versicherer von morgen darstellen.

 

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