Unsere Internetseite verwendet Cookies. Indem Sie weiter auf unserer Website navigieren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Perspective

Was Sie über Solvency II und Rückversicherung wissen sollten

August 18, 2015| Von Darius Weglarz | Asset Management | Deutsch | English

Region: Europe

Der Einkauf von Rückversicherung ist eines der Schlüsselelemente des effizienten Kapitalmanagements innerhalb des Aufssichtssystems Solvency II. Die Informationsflut zu bestimmten Solvency II-Themen kann selbst Fachleute abschrecken, wenn sie nicht gerade täglich mit dem Umsetzungsprozess zu tun haben. In diesem Beitrag erklären wir in aller Kürze Solvency II und die Auswirkungen auf die Rückversicherung.

Die Solvenzquote in Solvency II

Die Gleichung ist einfach: Man muss die Höhe der Eigenmittel (EM) kennen und diesen Betrag durch die Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) teilen.

Die Eigenmittel (EM) werden in der ökonomischen Bilanz berechnet und sind die Differenz zwischen Aktiva und Passiva. Bei Solvency II geht es dabei um den Marktwert der Aktiva und den Marktwert der Passiva, also die Werte, die in einer fairen Markttransaktion zwischen zwei sachverständigen Parteien gelten würden.

Die Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) ist das (ökonomische) Kapital, das vorgehalten werden sollte, um sicherzustellen, dass das Versicherungsunternehmen seine Verpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern und Begünstigten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erfüllen kann. Diese Wahrscheinlichkeit, gemessen mit dem Wahrscheinlichkeitsmaß Value at Risk, sollte auf einem Konfidenzniveau von 99,5 % über eine Halteperiode von 12 Monaten liegen. Diese Vorschrift begrenzt die Wahrscheinlichkeit, dass im folgenden Jahr ein finanzieller Ruin eintritt, auf die gleiche Wahrscheinlichkeit wie ein Ereignis, das nur einmal in 200 Jahren eintritt.

Die Werte für EM und SCR müssen separat mithilfe eines von der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) definierten Prozesses berechnet werden.

Welche Funktion hat die Solvenzquote?

Jedes Versicherungsunternehmen muss seine Solvenzquote dauerhaft auf einem Niveau von  100 % halten. Wenn die Solvenzquote des Unternehmens dieses Niveau unterschreitet, muss das Unternehmen die Regulierungsbehörde informieren und einen realistischen Sanierungsplan vorlegen, in dem dargelegt ist, wie das Unternehmen seine Solvenzquote innerhalb der folgenden sechs Monate wieder auf 100 % bringen wird. Bei einem Unterschreiten der Mindestkapitalanforderung (MKA), die einem Konfidenzniveau von 85 % statt 99,5 % entspricht, darf sich die Sanierungsphase sogar nur auf maximal drei Monate erstrecken. Sollte ein Unternehmen in dieser Zeit seine Solvenzquote nicht wieder auf 100 % bringen, kann die Regulierungsbehörde seine Versicherungslizenz widerrufen.

Die Solvenzquote hat aber auch noch weitere Funktionen. Viele Versicherungsunternehmen setzen sich ein bestimmtes Solvabilitätsniveau zum Ziel, um ihren Kunden ihre finanzielle Stärke zu demonstrieren. Dieses Zielniveau könnte beispielsweise bei 150 % liegen. Die Solvenzquote wird von einigen auch als Puffer für ungünstige Entwicklungen angesehen. Eine dauerhafte Solvenzquote von 150 % erhöht die Chance, nicht nur die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen, sondern auch den Geschäftsbetrieb nach einem ungünstigen Ereignis weiterzuführen.

Wie beeinflusst Rückversicherung die Solvenzquote?

Wenn man Rückversicherung einkauft, wirkt sich dies auf den Zähler (EM) und den Nenner (SCR) der Gleichung aus (siehe Abb. 1).

Der Rückversicherungsvertrag kann einen großen Einfluss auf die Risikomarge in der Wirtschaftsbilanz haben, ohne sich wesentlich auf die anderen Teile der Bilanz auszuwirken. Dadurch erhöhen sich die EM, was dementsprechend zu einer höheren Solvenzquote nach Rückversicherung führt.

Der Risikotransfer durch Rückversicherung wirkt sich natürlich auch auf die SCR aus. Die Brutto-SCR (vor Rückversicherung) wird auf eine Netto-SCR (nach Rückversicherung) reduziert, die unter Umständen nur einen Bruchteil der Brutto-SCR ausmacht. Der Nenner der Solvenzquote verringert sich, sodass die Solvabilität steigt.

In einer der kommenden Ausgaben des Gen Re Blogs werden wir uns damit beschäftigen, wie Rückversicherung die ökonomische Bilanz beeinflusst.

 

Stay Up to Date. Subscribe Today.

Autoren

Lernen Sie unsere Experten kennen

View Contributors